Was ist eine Revolution? Eine Show fürs Volk, denn die Macht lässt sich viel besser durch einen stillen Putsch ansichreissifizieren. Aber das taten sie nicht: sie zelebrierten ihre Revolution geradezu. Ohne fremdländischen Einfluss ist es nicht zugegangen, dass ist sicherlich klar. Was war wirklich los? Die Radikalisierung hat zu nichts geführt, die zweite Pandemie (November 1611 bis Frühmitte 1613, nach der ersten, die von Anfang 1600 bis 1602 sogar ganze zwei Jahre gedauert hatte) erschöpfte jede Möglichkeit wirtschaftlicher Erholung. Die Verwaltung des Nichtskönnens war die Blaupause für die Verwaltung des Nichtwissens durch insbesondere Kjelde und Gravelaine (wie es Krizhenaidzhan später ausdrückte).
Aber zunichtschlechte lässt sich den Machtohnmächtigen Folgendes halten: das Land war derart überfremdet, dass es längst zu einer Kolonie geworden war. Die 113000 Einwohner lebten zum Zeitpunkt der Staatsgründung (Juli/August 1556) ziemlich bevölkerungsdicht; jeder Dritte war Fremdländer, und das änderte sich alles andere als: die Befriedung der Finisterre durch John Coorder und das Wirtschaftswachstum danach lockten Einwanderer ins Land, sodass am Bevölkerungslokalpeak von 316000 Einwohnern im Jahr 1599 nur noch 31% in der Finisterre geboren waren. Natürlich beeinflussten fremde Kulturen die ihrländisch sozialisierte Einwanderungsbevölkerung.
Kurz: nur das Hochland von Lxiour war kulturell sich selbst ein Zuhause. Als einwanderungsfreundlichstes Land überhaupt, mit aufrichtigster Willkunft von Flüchtlingen, hatte sich der junge Staat schnell übernommen. Aber Fremdenfeindlichkeit war zu keinem Zeitpunkt und auf keiner Seite des politischen Spektrums auch nur ein flüchtiger Gedanke. Vielmehr lernte der junge Staat zum ersten Mal den Zustand der Antifragilität kennen; er behauptete nicht nur Souveränität, er exportierte sie auch, etwa in die 1582 gegründete Filiale Actinien, in welcher eine alte iniische Kolonie aufgegangen war.
Die fremden Mächte teilten sich die Handelsstädte an der Küste auf. Es begann nach der Revolution, die zu fremder Besatzung führte, eine „Resistance“ (Spätsommer 1615), die, bei fest angenommenem Erfolg ab 1617 in die sogenannte „Performance“ münden sollte. Stattdessen gab es nur Anarchie: die Küstenstädte waren besetzt, das Hinterland uninteressant, und die Hochebene von Lxiour verlor die Lust am Flächenstaat und genügte ab 1616 politisch sich selbst.
„Das erste genuin philosophische Werk aus unserem Land war schlicht mit „Wahrheit“ betitelt; das Zeitalter des Wahren sollte nach dem überstandenen Krieg eine Generation später beginnen. Ende 1617 war der wahre Anfang der Philosophie in der Finisterre, und die erste philosophische These lautete: „Es ist böse, dass das Böse existiert“. Damit war auch der Endzweck des Wahren, das Gute, vorgezeichnet“.
Kiite Aurele, 16.7.1913.
Wolf Kress am sehr späten 17.7.1913:
„Fuck, really? So fing sein Manifest an? Fuck! Besser als unser Diine nach 5 Bier. Kategorisches Denken, da kann man nicht mehr viel sagen. Junge, und der war völlig nüchtern. Und wie nannte er sich, Cliff Resistance? Was zum verschneiten Berg…“