Dienstag, 16. Dezember 2025

Zweites Rokoko (1616-1621)

 

 

 

 

Die Finisterre ist leerer ungemütlicher Zwangslandschaften; sie ist voller Tafelberge. Ein südlicher Tafelberg nicht weit von Ceachelle wurde von Kiite Aurele im Juni 1888 einzelbesiedelt; der Philosoph ließ sich von Legenden um die Letalität des Dortlebens nicht beeindrucken und baute ein Haus. Seit dem 13.3.1914 lebt er in der Stadt Aurele ohne umgezogen zu sein: die paar Häuser, die später in seiner Nachbarschaft entstanden und sein altes Haus bekamen das Stadtrecht. Der Tafelberg ist 222 Quadratkilometer flach; Aurelius wusste schon 1888, dass er eine neue Stadt gegründet hatte.


Die Hochebene von Lxiour, nach wehrtechnischer Bearbeitung ebenfalls ein Tafelberg, erlebte am 7.5.1616 eine hedonische Revolution gleichen sonders. Die Verbindungen zum besetzten und bürgerbekriegten Flachland waren unterbrochen, und nur noch punktuell über die Finisterre verteilt existierte der Staat, dessen Funktionalität durch die Komprimierung jedoch das Gegenteil von litt.


Die flachländische Anomie mit der Endzeitstimmung im besetzten und überfremdeten Ceachelle malgenommen war ein Kontrast zur durch die Hochebene von Lxiour rollenden ruhigen Kugel. Die Konferenz der Besatzungsmächte am 2.8.1618 hatte nichts an Raubgut zu verteilen, da alles von wahrem Wert längst in die tafelbergebene Hochsicherheit gebracht wurde. So wurde heiße Luft aus Hass und Gehässigkeit ausgetauscht; die selbsternannten Sieger gingen frustriert nach Hause, die Verlierer lachten.


Es war eine Zeit der Leichtigkeit oben, und eine Zeit des Nihilismus der Freiheit brach unten an: der fremde Kult wurde mit einem selten coolen Schulterzucken Anfang November 1620 offiziell aufgegeben.



Psychopolitisch lief es so:


Mai 1616 bis Hochende 1617: Zerfremdung in Rokoko oben und Prä- bis Hochapokalyptik unten.


Ende 1617 bis Spätsommer 1618: Einsicht in die Nichtkunft der „Performance“. Ontopolitische statt religiöse Radikalisierung.


Herbst 1618 bis Spätherbst 1620: Politische Anomie unten, essentialistische Opposition zum Kult oben (diesmal konnte der Kult nichts mehr vereinnahmen); Anfang November 1620 Abschied vom Kult.


Ende 1620 bis 1621/22: Leichtigkeit im Nihilismus der Freiheit. Nomanslandifikation besetzter Gebiete. Konsolidierung des Kernstaates in Lxiour.



Nicht zu vergleichen mit der seltsam moralgeladenen Konferenz der Ausbeuter und Räuber, oder gerade zu vergleichen, weil das kontradiktorische Gegenteil, war die Siegerkonferenz von Arenkord (5-9.4.1914), die für nicht weniger als die beste aller Welten ordnungspolitisch den Grund legte.


Die Ordnungskonferenz von Reburt 4-8.5.1914) legte den Grundstein für die bis heute bestehende Weltordnung.




„Heute, am 28.3.1914, retiriere ich von allen Ämtern als freier Privatier. Als Quasibürgermeister der Stadt Aurele verbleibe ich bis ich des Todes sterbe im Amt. Als ersten Ehrenbürger begrüße ich General Riki, der nach seiner letzten Amtszeit im Senat in ein Haus in meiner Stadt einziehen wird, das noch zu bauen ist. Der Ort, den er für sein Haus aussucht, heißt durch meine erste Amtshandlung General-Riki-Platz, was selbstredend eine hochprächtige Parkanlage impliziert. Ich rechne mit einem explosiven Wachstum meiner Stadt, da auf dem Tafelberg abbaubare Kiragassit-Vorkommen entdeckt wurden“.

Kiite Aurele.



Die heutige Stadt Endevereaux begann als von Waldgängern besiedelter Tafelberg (Frühsommer 1616). Noch 300 Jahre später war da nichts als Wald mit ein paar Hütten. In den 1960-ein begann ein bescheidenes, in den 1990-ein ein explosives Wachstum. 2011 erreichte die Stadt eine fünfstellige Einwohnerzahl, 2024 waren es 20000.