Montag, 12. März 2018
BDSM Ticker (4): Das schöne Subjekt
Wer Schönheit perzipiert, und in ihr das Ästhetischgute erkennt, zeigt sich als ein moralisch gesundes (noch nicht moralisch gutes, aber potentiell moralisches), vollwertiges Subjekt. Die Anlage zur Tierheit im Menschen verleitiet ihn nun zum sexuell-konsumtiven Verzehr der Schönheit am anderen Menschen. Da nur Frauen überhaupt schön sein können, kann ein ästhetisches Subjekt nur Frauen begehren; wer Männer "begehrt", ist ein ästhetisches Objekt, und begehrt eigentlich nicht sein Objekt, sondern das Begehrtwerden durch ein Subjekt. Da es nun um sexuelle Begierde geht, ist der Begehrtwerdenwollende ein Sexualobjekt, während der Objekte begehren Könnende ein Sexualsubjekt ist.
Ein heterosexueller Mann ist zwar ein Subjekt, aber ein natürliches, seiner Subjektivität in der Regel nicht bewusstes. Eine lesbische Frau, die sich selbst als schön erkennen kann, und nicht das Begertwerden, sondern die Schönheit begehrt, ist ein selbstbewusstes, geistiges, nicht bloß natürliches Subjekt. In einem Staate, der Ästhetik zur Staatsreligion hätte, stünden schöne lesbische Frauen an der Spitze, den Lehrstand würden gewöhnliche Lesben ausmachen, und den Wehrstand besonders wählerische heterosexuelle Männer.