Samstag, 27. Dezember 2025

Kiborts Basalnihilismus (1672-1699)

 

 

 

Ein Xice nach Lawrie ist eine Abfolge von Illumination, Concordation, Discordation und Devastation. Crouse Lawrie übertrug diese Abfolge zeitweise auf das Lhinn, aber scheiterte. Ingret stellte den fundamentalen Unterschied zwischen einer saisonalen und einer entropischen Zeitenfolge heraus, und zeigte für die Anfangszeit der Finisterre, dass das erste Xice von 1556 bis 1652, und das erste Lhinn bis 1556 bis 1672 gedauert hatte. Für ein Lhinn gilt das folgende Ablaufmodell: Inititaion (Kraftakt), Expansion, Konsolidation, Desintegration, Exhaustation.


Das erste Xice nach Lawrie (1556/1575/1589/1614) und das erste Lhinn nach Ingret starteten zuselbst, es war eine psychopolitische Initialzündung. Nach Coorders Kraftakt wurde in der expansiven Phase eine komplexe staatliche Struktur errichtet, deren Konsolidierung an der inneren Überdehnung scheiterte. Die Desintegrationsphase fällt mit dem Krieg 1614-1646 zusammen, dann kommt die Erschöpfungsphase, in die der Anfang des zweiten Xice fällt: 1652.


Die kognitive Dissonanz der Zeitgenossen ist zu erahnen: Bergauf mit leerem Tank. Die entsystematisierte philosophische Tradition der vierten Phase nach Kinrol hatte einen Knoten vor sich, der auch Schwerthieben standhalten konnte. Es hätte auch „Neubeginn und Scheitern: 1652-1664“ heißen können, wie es 1670 bei van Vernichten hieß, diesmal in der Rolle eines seriösen Staatstheoretikers. Aber die späten 1660-er zeichneten sich durch rätselhaft gehobene Stimmung aus! Van Vernichten gab das Schlechtreden der Zeit nicht auf, aber stellte fest, dass das Anwintern gegen blühende Bäume vergeblich war. Am 16.7.1672 wurde der energiegeladene Technokrat John Kibort als Regierungschef begrüßt. Es war kein Verwalten der Ohnmacht mehr: Es war ein potentialgeladenes Neunull.


Die Dissonanz legte sich, denn im 21-sten Jahr des zweiten, negativen Xice begann das zweite, introvertierte Lhinn. Was von 1672 bis 1678 an basaler Wirtschaftsleistung erbracht wurde, ist seitdem legendär. Der Crash von 1679 und die lange Krise der 1680-er resultierten aus objektiven Beschränkungen, nicht aus subjektiven Fehlern. Doch übernahm Kibort Intschviethels Strategie methodischer Selbstanklage, und zeichnete sich als ein exzellenter Meister des Möglichen aus.


Ein Meister des Unmöglichen war Kibort nicht. Ab 1684 verschärfte sich die Lage jährlich. Am 10.5.1687 machte Kibort Platz für eine Notstandsregierung unter Anakin Levitt, einem ultralibertären Staatskritiker. Bis 1690 lebte die ganze Finisterre im Quitongo-Modus. Das senkte Erwartungen, entspannte Hoffnungen und setzte Kräfte frei. 


Ökonomisch wurde die expansive Phase des zweiten Lhinn von Levitt, militärisch von John Deader begleitet: auf den Boom 1691-1693 folgte das turbulente Jahr 1694, in den sich außenpolitische Spannungen abzeichneten. Deader übernahm die Macht im September 1694, und wartete zunächst ab, wie sich die äußeren Mächte positionierten. Nach langem Anlauf kam 1695 erneut ein Boom, dann ein Enddezembercrash. Anfang Januar 1696 versicherte Deader, die ökonomischen Erfolge unter Levitt notfalls mit Gewaltanwendung zu sichern.


So selbstverständlich die Zurückhaltung der politischen Eliten nach 1646 war, so obvious war, was John Deader im Frühsommer 1696 tat: er entgegnete äußerer Einmischung mit militärischer Gewalt; der Bürgerkrieg auf dem Land dauerte bis 1699, die Souveränität wurde wiederhergestellt. In Lxiour und auf den Tafelbergen wuchs wieder die Bevölkerungszahl. Die Grundbasis, die von Kibort gebaut wurde, hielt diversen Stresstests stand, und ein der Lhinn-Expansionsphase mindestens angemessen starker Führer baute darauf auf.



Erstes Lhinn der Finisterre:

1556. Initiation (Kraftakt)

157o.  Expansion

1591. Konsolidation

1613. Desintegration (das "Umkippen" nach J. J. J. Moncur)

1646. Exhaustation

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Negativität (1652-1696)

 

 

 

Keria ist seit 1352 wie ein Schneeball, hegemoniert um 1395 lokal, um 1460 regional, um 1580 kontinental, zieht sich aber isolationistisch schon ab 1602 zurück. Die Venger pulsieren in immer größeren Reichshochs, beherrschen den Westen nach dem Krieg von 1599-1602, und kämpfen ab 1630 defensiv an allen Fronten. Die Enthaptung Melchiots am 4.10.1664 ist der künstlerisch besonders oft festgehaltene Moment ihres Reichsuntergangs. Das 17. Jahrhundert markiert den Aufstieg neuzeitlicher profaner Reiche im Westen.


Die Finisterre ist seit 1646 oder schon früher geteilt in Land und Hochland. Das Land ist Quasikolonie, das Hochland militärisch unbesiegbar, aber politisch bedeutungslos. 1652 wird die Teilung zur Grundlage der Verfassung. 1661-1664 erlebt das Land eine nihilistische Kulturrevolution, wonach lokal-pragmatische Verwaltung folgt. Psychopolitische Erschöpfung löst sich auch 1672 nicht auf, als von Lxiour aus ein Konsolidierungsversuch gestartet wird: kurzer Boom Herbst 1677, 1678 bereits ausklingend, und von Anfang 1679 bis Ende 1690 eine gewaltige Wirtschaftskrise. Ressourcenknappheit, Verfall, Zerfall. Am 10.5.1687 beginnt die Notstandsverwaltung. 


Der Boom von 1691-1693 kommt für Optimisten unerwartet und für Pessimisten ungelegen. 1694 ist ein politisch bis zum Zerreißen turbulentes Jahr. Ende des Jahres fängt ein weiterer leiser Aufschwung an, Mitte-Ende Dezember 1695 erreicht der hochspekulierte HFX zu jener Zeit legendäre 6913 Punkte, dann folgt ein Crash. Doch schon am 11.1.1696 passiert Paradigmatisches: Regierungschef John Deader versichert politisch ubd ökonomisch Stabilität auf Jahrzehnte, was die Rückaneignubg politischer Macht und ökonomischer Ressourcen impliziert.


Die 1650-er sind intellektuell von der Integralphilosophie van den Kiffens geprägt, psychopolitisch von Nachuntergangsstimmung. 1652-1658, insbesondere Mitte-Ende 1656, prägen die katastrophalstmöglichen Verhältnisse eine ganze Generation mit Pessimismus und Negativität.


Die 1660-er sind eine interessante Zeit des Kampfes fremder Mächte um das Land, Pragmatiker und Avonturisten schmieden wechselnde Bündnisse; Söldnertruppen entstehen. Geistig ist nichts los. Das wird 1672-1676 mehr als nachgeholt, aber nicht zum Vorteil psychopolitischen Wohlbefindens.


Die 1670-er sind die eigentliche Zeit der Ohnmachtsverwaltung, und ab 1679 hört die Politik im eigentlichen Sinne auf und es gibt nur noch die Wirtschaft, und zwar in der Form permanenter Krise.


1685-1690 findet die abschließende demographische Katastrophe statt. 




„Totale Verwüstung des Landes, außenpolitisch die ungünstigsten Machtverhältnisse, klimatisches Pessimum. Andererseits immer antifragiler werdende geistig offene und fremdenfreundliche Bevölkerung; Arbeitsmoral bei steigender Not immer höher, Sparquote über 60%, Wirtschaft im jahrzehntelangen Notmodus wie ein perfektes Uhrwerk. Das ist nicht das Rezept für eine Endzeit. Was Deader am 11.1.1696 zum Ausdruck brachte, war kein „Wir können!“, denn das war seit Jahren klar. Es war ein: „Wir dürfen!“ - unseren Platz in der westlichen Machtpolitik behaupten. Wir sind die konstruktivste Macht unserer Zeit, keine Eroberer, Unterdrücker und Zerstörer. Wir haben das Recht (!), um unser politisches Überleben zu kämpfen. - So eine breite psychopolitische Moralbasis bereits 51 Jahre vor der Moralischen Revolution. Es war also eine Zeit der Katharsis, von den 1620-ern bis 1696, als wir wieder zum Subjekt der Geschichte wurden“.

Eric Bernard, 26.12.1914.

Dienstag, 16. Dezember 2025

Anomie (1622-1652)

 

 

 

 

1. Positiv-nihilistische Phase 1622-1624


Im Grunde, Großen und Ganzen ein Zustand wie vor 1556, aber mit Lxiour und weiteren Tafelberg- und Bergfestungen. Das ferne Actinien noch unbedeutend.



2. Apokalyptische Phase 1624-1627


Beginnt in der zweiten Märzwoche 1624 mit einem präessentialistischen Erweckungskult. Ein junger vortrefflicher Feind aus dem Norden, Grevious (1597-1682) zeichnet sich militärisch aus in einem hybriden Krieg, der alles Nichthochgebirge in Zerstörungsleidenschaft zieht.



3. Postapokalyptische Phase 1627-1632


Ende Januar 1627 sind die Verbindungen der Tafelberge und Hochgebirgsburgen voneinander abgeschnitten. Die Bevölkerung in nicht eroberten Gebieten ist zahlarm, wirtschaftlich zu vernachlässigen. Die Bevölkerung in besetzten Gebieten löst ihr Staatsbewusstsein auf; politische und kulturelle Anomie erreicht ihren Höhepunkt.



4. Melancholische Phase 1633-1639


In Ceachelle und anderen Städten entsteht ein schüchternes Revival der alten Staatsordnung, Widerstand gegen die Besatzer wächst. Actinien wird zum politischen Zentrum und zieht militärische Aufmerksamkeit auf sich.



5. Annihilatorische Phase 1640-1646


In drei Befreiungskriegen wird der Großteil der zerstörten Finisterre befreit, Actinien erlebt einen Vernichtungskrieg, hält aber stand (weitgehend zerstört und nach Gebietsverlusten).



6. Postnihilistische Phase 1646-1652


Trotz modernster Kriegsführung ist Grevious in Actinien gescheitert; die Versorgung der Truppen in der Finisterre ist teurer als bei der wirtschaftlichen Lage im umkämpften Land bezahlbar. Der Friedhofsfrieden kehrt endgültig ein.




„Ich schlage jede Armee, aber nehme keine Festung ein. Dafür liegen sie zu hoch und sind landschaftlich perfekt eingestellt. Ich kann meine Truppen nicht mit dem versorgen, was wir auf dem Land konfiszieren. Kein Wunder, dass ich jede ihrer Armeen schlage. Sie kämpfen in diesem Zustand noch, wir würden nicht mehr stehen können“. 

General Grevious, 17.2.1648.

Zweites Rokoko (1616-1621)

 

 

 

 

Die Finisterre ist leerer ungemütlicher Zwangslandschaften; sie ist voller Tafelberge. Ein südlicher Tafelberg nicht weit von Ceachelle wurde von Kiite Aurele im Juni 1888 einzelbesiedelt; der Philosoph ließ sich von Legenden um die Letalität des Dortlebens nicht beeindrucken und baute ein Haus. Seit dem 13.3.1914 lebt er in der Stadt Aurele ohne umgezogen zu sein: die paar Häuser, die später in seiner Nachbarschaft entstanden und sein altes Haus bekamen das Stadtrecht. Der Tafelberg ist 222 Quadratkilometer flach; Aurelius wusste schon 1888, dass er eine neue Stadt gegründet hatte.


Die Hochebene von Lxiour, nach wehrtechnischer Bearbeitung ebenfalls ein Tafelberg, erlebte am 7.5.1616 eine hedonische Revolution gleichen sonders. Die Verbindungen zum besetzten und bürgerbekriegten Flachland waren unterbrochen, und nur noch punktuell über die Finisterre verteilt existierte der Staat, dessen Funktionalität durch die Komprimierung jedoch das Gegenteil von litt.


Die flachländische Anomie mit der Endzeitstimmung im besetzten und überfremdeten Ceachelle malgenommen war ein Kontrast zur durch die Hochebene von Lxiour rollenden ruhigen Kugel. Die Konferenz der Besatzungsmächte am 2.8.1618 hatte nichts an Raubgut zu verteilen, da alles von wahrem Wert längst in die tafelbergebene Hochsicherheit gebracht wurde. So wurde heiße Luft aus Hass und Gehässigkeit ausgetauscht; die selbsternannten Sieger gingen frustriert nach Hause, die Verlierer lachten.


Es war eine Zeit der Leichtigkeit oben, und eine Zeit des Nihilismus der Freiheit brach unten an: der fremde Kult wurde mit einem selten coolen Schulterzucken Anfang November 1620 offiziell aufgegeben.



Psychopolitisch lief es so:


Mai 1616 bis Hochende 1617: Zerfremdung in Rokoko oben und Prä- bis Hochapokalyptik unten.


Ende 1617 bis Spätsommer 1618: Einsicht in die Nichtkunft der „Performance“. Ontopolitische statt religiöse Radikalisierung.


Herbst 1618 bis Spätherbst 1620: Politische Anomie unten, essentialistische Opposition zum Kult oben (diesmal konnte der Kult nichts mehr vereinnahmen); Anfang November 1620 Abschied vom Kult.


Ende 1620 bis 1621/22: Leichtigkeit im Nihilismus der Freiheit. Nomanslandifikation besetzter Gebiete. Konsolidierung des Kernstaates in Lxiour.



Nicht zu vergleichen mit der seltsam moralgeladenen Konferenz der Ausbeuter und Räuber, oder gerade zu vergleichen, weil das kontradiktorische Gegenteil, war die Siegerkonferenz von Arenkord (5-9.4.1914), die für nicht weniger als die beste aller Welten ordnungspolitisch den Grund legte.


Die Ordnungskonferenz von Reburt 4-8.5.1914) legte den Grundstein für die bis heute bestehende Weltordnung.




„Heute, am 28.3.1914, retiriere ich von allen Ämtern als freier Privatier. Als Quasibürgermeister der Stadt Aurele verbleibe ich bis ich des Todes sterbe im Amt. Als ersten Ehrenbürger begrüße ich General Riki, der nach seiner letzten Amtszeit im Senat in ein Haus in meiner Stadt einziehen wird, das noch zu bauen ist. Der Ort, den er für sein Haus aussucht, heißt durch meine erste Amtshandlung General-Riki-Platz, was selbstredend eine hochprächtige Parkanlage impliziert. Ich rechne mit einem explosiven Wachstum meiner Stadt, da auf dem Tafelberg abbaubare Kiragassit-Vorkommen entdeckt wurden“.

Kiite Aurele.



Die heutige Stadt Endevereaux begann als von Waldgängern besiedelter Tafelberg (Frühsommer 1616). Noch 300 Jahre später war da nichts als Wald mit ein paar Hütten. In den 1960-ein begann ein bescheidenes, in den 1990-ein ein explosives Wachstum. 2011 erreichte die Stadt eine fünfstellige Einwohnerzahl, 2024 waren es 20000.